Eine Möglichkeit den bezaubernden Südwesten Flores zu entdecken bietet der Küstenwanderweg auf dem man im Rahmen einer Tagestour, die von Costa bis nach Faja Grande führt, die gesamte Region durchwandern kann. Wir sind nicht die gesamte Strecke gelaufen, sondern nur das etwa gut dreistündige Wegstück zwischen Lajedo und Cuada - und waren begeistert. Die markanteste Felsformation und optischer Begleiter des Anfangsstücks ist die von mächtigen Basaltsäulen gekrönte Bergkuppe des Rocha dos Bordoes.
Den beschaulichen Auftakt dieser abwechslungsreichen Tour bietet das kleine, herrlich gelegene Bauerndorf Lajedo, dass am Fuße des Hochlands und schon in der Nähe der Steilküste liegt. Die wenigen Einwohner leben hier noch größtenteils von der Landwirtschaft, man sieht aber auch einige aufgegebene Häuser.
Der Wanderweg führt nach dem Ort als Camino durch eine wildromantische küstennahe Landschaft die steil zum Meer hin abfällt. Dabei quert der Weg in ständigem auf und ab kleine Täler und Wäldchen und wird von unzähligen Hortensien und Ingwerlilien gesäumt. Andere Wanderer haben wir fast gar nicht getroffen - dafür umso mehr Kühe.
Der schöne Pfad schlängelt sich durch eine einsame, satt-grüne Landschaft und zwischendurch werden dem Wanderer auch immer wieder herrliche Meeresblicke geboten. Dabei führt der Camino oft zwischen großen Kuhweiden hindurch - und die Info aus dem Reiseführer, dass es auf den Inseln mindestens so viele Kühe wie Azoreaner geben soll erscheint einem immer plausibler.
Auffällig ist, dass die Kühe teils auch in sehr steilem Terrain grasen und sich dort sehr behände bewegen. Auf Sao Jorge haben wir mal gesehen, wie ein Bauer relativ weit unter uns mit seinem Traktor Extra- Leckerlies für seine Kühe heran karrtre - wir waren total erstaunt, in welch Affenzahn die Kühe den extrem steilen Hang herunter sausten um sich was davon zu ergattern.
In den Talabschnitten, die man immer wieder durchwandert, quert man kleine, dichte Wäldchen, die oft von Bächen durchflossen werden.
Für die darauf folgenden relativ kurzen, aber teils sehr steilen Gegenanstiege wird man oftmals mit herrlichen Meeresblicken belohnt.
Bald erreicht man die ersten Häuser des nächsten kleinen, bäuerlich geprägten Dorfes, Mosteiro. Nach gut 1,5 Stunden reinsten Genusswanderns muss man jetzt einmal ein Stück mit einer kaum befahrenen Straße vorliebnehmen.
Schnell ist der kleine Ort hinter sich gelassen und man taucht wieder in das große weite Grün der Azoren ein.
Relativ bald nach dem Verlassen von Mosteiro erreicht man das nächste Dorf das in einem kleinen Tal gelegen ist. Der Weiler Caldeira präsentiert sich aber gänzlich anders - es handelt sich um eines der vielen verlassenen Dörfer die man immer wieder auf den Azoren vorfindet. 1992 verließ die letzte Familie den Ort, und mittlerweile hat sich der Wald den Ort komplett zurückgeholt und überwuchert die stark einsturzgefährdeten Ruinen.
Im Gegenatz zu den Kanaren emigrierte das Gros der Azoreaner aber nicht nach Süd - und Mittelamerika, sondern folgte den durch die amerikanischen Walfängern, die immer wieder auf den Inseln anlegten, begründeten traditionellen Verbindungen nach Nordamerika, wodurch die meisten Azoreaner in die USA oder nach Kanada emigrierten. Es gibt aber erstaunlicherweise auch eine kulturelle Verbindung nach Hawaii, da Ende des 19. Jahrhundert einige Tausend Azoreaner nach Hawaii auswanderten, wo sie sich viel besser in die Inselgeschellschaft integriert haben sollen als die Amerikaner, Briten oder Japaner, und viel engere und freundschaftlichere Kontakte zu der polynesischen Urbevölkerung gepflegt haben sollen. Vielleicht hatte man von Kleininsulaner zu Kleininsulaner einfach ein anderes Grundverständnis.
Eine andere Verbindung zwischen den Azoren und Hawaii wird auch immer mal wieder betont - die landschaftlichen, klimatischen und botanischen Parallelen zwischen den beiden Archipelen. Die Azoren werden gerne als das Hawaii Europas betitelt, was nach unserem Eindruck insgesamt etwas übertrieben ist, aber an manchen Ecken der Azoren durchaus nachvollziebar ist - zumindest während des Azorensommers.
Nach dem Verlassen von Caldeira erreicht man nach kurzem Aufstieg den Rand des grandiosen, schon vorher beschriebenen Tals. Hier empfiehlt es sich bevor man ins Tal absteigt den ausgeschilderten, nur ein paar Minuten dauernden Mini - Abstecher zum großartigen Miradouro El Portal zu machen von wo aus die meisten der schon vorher gezeigten Fotos aufgenommen wurden. Hier trafen wir dann auf die ersten anderen Urlauber während der gesamten Tour, da der Aussichtspunkt auch mit dem Auto zu erreichen ist.
Nach der längeren Pause am Miradouro machten wir uns an den Abstieg ins Tal. Der Wanderweg führt sofort sehr steil - wie steil kommt auf dem Foto überhaupt nicht rüber - durch dichten Wald hinab. Eigentlich ähneln die angelegten Felspfade der Azoren den Camino reales der Kanaren, mit einem Unterschied: Die Pfadbauer der Azoren haben teilweise fast völlig auf Serpentinen verzichtet! Wir sind zwar manchmal auch schön schlängelige, angenehm zu gehende Abstiegswege, die sanft an Höhe verlieren, gegangen - aber teilweise geht es einfach auf dem direkten Weg steil bergab.
Diese Wegführung in Verbindung mit der deutlich höheren Luftfeuchtigkeit (teils starke Moos bildung) und den eh schon höheren Niederschlägen (rutschigere und matschigere Wege) macht einige der Abstiege auf den Azoren zu relativ anspruchsvollen Unternehmungen bei denen es vielleicht noch mehr als auf den Kanaren gilt die Konzentration hochzuhalten.
Nach dem recht unangenehmen, aber teils sehr schön Hohlweg artigen Waldabstieg erreicht man den Ortsrand von Fajazinha. Dieses bisher größte Dorf (ca. 130 Einwohner) der Wanderung besticht durch seine schöne Lage inmitten des Tals und durch seine freundliche Ausstrahlung. Schöne, alte Häuser und gepflegte Gärten, und Einwohner die freundlich grüßen. Und auch der Festschmuck der gerade beendeten Fiesta flatterte noch freundlich im Wind. Fajazinha dürfte auch ein gutes Basislager sein - es gibt eine Bar, ein gutes Restaurant und ein paar kleine Häuschen, die man mieten kann.
Kurz nach dem Ortsrand von Fajazinha beginnt der Wanderweg als romantischer, von Lesesteinmauern gesäumter Camino in Richtung Steilwände anzusteigen. Man wandert nun durch terrassierte Hänge relativ gemütlich bergauf - Genusswandern pur! Dieses Wegstück fanden wir sehr schön.
Aber auch der Blick zurück lohnt - Er verwöhnt mit herrlichen Ausblicken auf Fajazinha und den Atlantik und zeigt noch einmal wie schön der Ort gelegen ist.
Nun erreicht man die Hauptverbindungsstraße des Tals und könnte entlang dieser in relaiv kurzer Zeit nach Cuada, dem heutigen Endpunkt der Tour weitergehen. Empfehlenswert ist aber auch der weiter oben beschriebene Abstecher zu den Wasserfällen des Poco da Algoinha. Der gut 40 minütige Abstecher würde die Tour von der reinen Wanderzeit auf etwa 3:40 h ausdehnen, wäre also locker machbar - und die Krönung dieser großartigen Tour!
Vom Waldseee geht man einfach wieder zur Hauptstraße zurück, biegt rechts ab und folgt kurz darauf einer kleinen, links abbiegenden Straße. Dann ist mit Cuada der nächste, ehemals verlassene Weiler und zugleich der Endpunkt dieser hier beschriebenen Tour erreicht. In den 60 ern wurde das Dorf nach über 300 jähriger Siedlungsgeschichte von den letzten Einwohnern verlassen und verfiel über die Jahre zusehends. Das änderte sich als ein einheimisches Paar die Idee hatte, das alte Dorf in ein Feriendorf zu verwandeln und begann die alten Steinhäuser liebevoll zu restaurieren. In jahrelanger Arbeit wurde der kleine Weiler samt seiner Häuser, seiner Gärten und der alten Verbindungswege wieder zum Leben erweckt. Dabei wurde großer Wert auf Authenzität gelegt und auch beim Innenausbau darauf geachtet das alte Elemente, wie steinerne Waschbecken erhalten blieben und die Möbelauswahl und Dekoration passend sind. Insgesamt wurden so 16 Häuser unterschiedlicher Größe mit viel Liebe zum Detail instandgesetzt und die Häuser zudem nach den zuletzt dort lebenden Menschen benannt.
Herausgekommen ist die wohl vom Konzept her ungewöhnlichste Unterkunft in der wir bisher in unseren Urlauben gewohnt haben. "Aldeia da Cuada" versteht sich als Hotel, nur werden die Urlauber hier nicht in den Zimmern eines Hauses untergebracht, sondern bewohnen einzelne alte Steinhäuser inklusive der heute gängigen Ausstattung und einem jeweils dazu gehörenden Garten. Beim Haupthaus gibt es zudem ein schönes und sehr gutes Restaurant falls man mal nicht zuhause Kochen und Essen möchte. Außerdem wird dort jeden morgen ein äußerst opulentes und sehr günstiges Frühstücksbuffet angeboten. Die Atmosphäre ist dabei sehr angenehm und man lernt ganz automatisch Reisende aus allen möglichen Ländern kennen. Wir haben hierbei sehr nette Menschen kennengelernt.
Das Urlaubs-Dorf ist recht weitläufig und der Lorbeerwald reicht teilweise direkt bis an die einzelnen Grundstücke heran. Zwischen den Häusern befinden sich kleine Wiesen auf denen man auch mal die ein oder andere grasende Kuh antrifft. Besonders herrlich ist die Umrahmung des Dorfes von den mächtigen Steilwänden im Hintergrund, und da ihre Wasserfälle, aber auch der Atlantik ganz nah sind hört man öfter das Rauschen des Meeres und der Wasserfälle gemeinsam, wenn man genau hinhört.
Vom Gelände aus hat man an vielen Punkten Meeresblick, da Cuada aber auf einem kleinen Plateau - und zudem nicht am Rand desselben - liegt, ist der Meeresblick eher weit als nah in der Wahrnehmung....schön ist er aber allemal.
Wir hatten leider zwei Strommasten direkt im Blickfeld, was uns aber herzlich wenig störte und immer spätestens dann völlig vergessen war, wenn die Pardelas kamen. Wer glaubt auf den Kanaren gäbe es wirklich viele, der war noch nicht auf den Azoren. Ein Abend an den Steilküsten der Azoren und man kann nachvollziehen, warum die Azoren als Hauptverbreitungsgebiet der Cagarros - so werden die Pardelas hier genannt - gelten.
Die Aldeia da Cuada war auf jeden Fall eine der schönsten Unterkünfte die wir bisher bewohnt haben. Die Lage und diese absolute Ruhe sind einfach traumhaft! Wir haben uns dort extrem wohl gefühlt, und nicht nur in unserem Haus und Garten, sondern im ganzen Dorf.
Drohnen Aufnahmen vom Dorf:
https://www.youtube.com/watch?time_cont ... e=emb_logo
Die Webseite:
http://aldeiadacuada.com/en/