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Re: Medizinischer Notfall auf La Palma

Verfasst: Fr 14. Aug 2026, 16:02
von aurora
Die medizinische Versorgung ist selbst auf den "kleinen" Kanaren mindestens zufriedenstellend, und dank der steuerfinanzierten, universellen Grundversorgung gilt das selbst für dünnbesiedelte Gebiete. Sogar auf La Graciosa gibt es eine Krankenstation, die von Mo bis Fr. besetzt ist. Im Gegensatz zu Deutschland herrscht hier kein spürbarer Mangel an ärztlicher Grundversorgung im ländlichen Raum. Die Wartezeiten auf Spezialbehandlungen sind allerdings zum Teil unerträglich lang, weshalb viele eine Zusatz-KV haben.

Die Notfallversorgung ist ebenfalls engmaschig und sehr gut organisiert; und hier erfolgt sie zudem aus einer Hand. In Deutschland geht da schon mal einiges durcheinander im Zuständigkeitsgerangel. Immerhin deuten alle Postings der Residenten in diesem Thread darauf hin, dass hier Zufriedenheit mit der medizinischen Notfallversorgung herrscht; und ich schließe mich dem an :) .

Wer allerdings z.B. in der Nacht von Samstag auf Sonntag in El Tablado oder irgend einem anderen, abgelegenen Ort auf La Palma (oder in Deutschland oder sonstwo) einen medizinischen Notfall erleidet, oder wenn es zeitgleich mehrere Notfälle gibt, kann nicht damit rechnen, dass nach wenigen Minuten ein Rettungswagen mit Notarzt angerauscht kommt. Dann hat man wohl Pech gehabt.
Teneguía hat geschrieben: Do 13. Aug 2026, 09:24 Ich weiß nur so viel, daß [...] viele spezialisierte Weiterbehandlungen dann auf Tenerifa erfolgen, der Transport dahin dann mit dem Hubschrauber erfolgt.
..und auch per Binter-Flugzeug: Dann werden ein paar Sitzreihen rausgeschraubt (die anderen Passagieren warten derweil stehend neben dem Flugzeug), der Patient wird per Liege ins Flugzeug verfrachtet und es wird ein Vorhang drumrum gezogen. Dann steigen alle ein und log geht’s. Am Zielflughafen wartet ein Krankentransporter, der den Patienten ins zuständige KH fährt.

Re: Medizinischer Notfall auf La Palma

Verfasst: Fr 14. Aug 2026, 19:52
von Teneguía
Ich gebe Dir recht, daß die grundsätzliche medizinische Versorgung -wie von Dir beschrieben- in vielen Bereichen besser ist. Man muß allerdings zwei grundsätzliche Arten der Notfallversorgung unterscheiden. Die von dir beschriebene ärztliche Notfallversorgung umfasst die Versorgung u.a. über die Centros de Salud und Versorgung durch in jedeweder Art niedergelassene Ärzte und die Notfallambulanzen in den beiden Krankenhäusern. Der andere Zweig ist die präklinische Notfallmedizin, die über den Rettungsdienst sichergestellt wird. Die Grenzen der Zuständigkeit sind sicher nicht ganz scharf und es kommt immer wieder vor, daß Patienten sich mit einem klassichen Notfallbild des Rettungsdienstes bei einem niedergelassenen Arzt vorstellen, genauso wie Patienten, die eigentlich gut und sicher von ebendiesen versorgt werden könnten über den Rettungsdienst einer Behandlung zugeführt werden.
Genau da fängt auch die Schwierigkeit an, denn die Definition, was ein medizinischer Notfall ist, ist ebensowenig eindeutig wie die daraus resultierende bereits genannte Zuständigkeit.
Ich mußte glücklicherweise bislang weder ein Centro de Salud noch den Rettungsdienst auf La Palma in Anspruch nehmen, deshalb kenne ich die genauen Abläufe nicht aus erster Hand.
Allerdings habe ich mich in meinen Erläuterungen nur auf die rettungsdienstliche Versorgung bezogen und da muß man einfach sagen, daß das Netz deutlich weniger dicht ist. Wenn man überlegt, daß sich die erlaubten Maßnahmen für die TES auf wenige Maßnahmen beschränkt, ist die Tatsache, daß dann ein für weitere Maßnahmen notwendiger Arzt entweder aus Los Llanos oder aus Santa Cruz kommen muß, ein großes zeitliches Problem.
Das soll auch nicht die Leistung der TES schmälern oder in Frage stellen, sie arbeiten in ihrem Rechtsrahmen. Aber im Vergleich zu anderen Ländern hat dieses System aus Sicht der notfallmedizinischen Versorgungsqualität noch viel Luft nach oben. Grade in Regionen mit einer durchaus schwierigen Topographie, in der viele Wege einfach sehr lang sind.